ArchivbildVersteckspielen für den Ernstfall

Sechs Feuerwehren und Hundestaffel üben Vermisstensuche – Probelauf für Digitalfunk

 

In einem Großeinsatz probte die Feuerwehr Offenbau gemeinsam mit benachbarten Ortsgruppen am vergangenen Samstag rund um Offenbau die Vermisstensuche. Neben Erfahrungen für dieses Einsatzszenario lieferte die Übung wichtige Praxisdaten für den zukünftigen Digitalfunk.

Bereits über eine Stunde vor Beginn der Einsatzübung begrüßte Organisator und Kommandant der Feuerwehr Offenbau Martin Enzenhöfer das Team der Unterstützungsgruppe örtliche Einsatzleitung des Landkreises Roth am Sportplatz in Offenbau, um die Suche vorzubereiten. „Das wird eine große Nummer“, kündigte der Einsatzleiter an und zog sich mit den Koordinationsspezialisten rund um den Kreisbrandmeister für Information und Kommunikation, Michael Stark, in den Lageraum des Einsatzleitwagens zurück, um Kartenmaterial für die bevorstehende Übung zu erstellen.

Zunächst wurden grundlegende Punkte, wie der optimale Maßstab und die Art des Koordinatennetzes und des Kartenmaterials diskutiert. Am Laptop entstand dann in kurzer Zeit eine Übersichtskarte von dem gut fünf Quadratkilometer großen Gebiet rund um den Thalmässinger Gemeindeteil, in dem in den folgenden Stunden parallel zwei authentische Vermisstensuchen abgehalten werden sollten.

Gegen 15 Uhr trafen die eingeladenen Kräfte der umliegenden Feuerwehren am Sportplatz ein. Für die Registratur wurde mit wenigen Handgriffen aus einer Klappe an der Flanke des Hightech-LKWs eine Bierzeltgarnitur hervorgeholt und als Anlaufstelle für die eintreffenden Kräfte aufgestellt. Unter ständigem Kontakt mit den Kollegen im Lageraum hinter ihm, vermerkte Kreisbrandmeister Michael Stark hier am Laptop die Einheitsführer der eingeladenen Gruppen aus Offenbau, Eysölden, Thalmässing, Jahrsdorf, Meckenhausen und Obermässing mit ihren Mannschaftsstärken und gab die Testfunkgeräte für den Digitalfunk aus.

Der Testlauf des Digitalfunks war einer von drei Gründen für die Großübung, wie Einsatzleiter Martin Enzenhöfer erläuterte: Mitte diesen Jahres werde das Netz für den Digitalfunk aktiviert und damit starte auch der Testbetrieb im Landkreis Roth. Momentan können bereits wenige Testgeräte von der Kreisverwaltung für Schulungen und Übungen entliehen werden, damit sich die Einsatzkräfte mit den Geräten vertraut machen können. „Einer der ersten größeren Einsätze“, um das Verhalten der neuen Technik im Praxisfall zu analysieren, sei die Übung in Offenbau, sagte Martin Enzenhöfer. Zusätzlich solle die Kommunikation zwischen den Gruppen an diesem Nachmittag über die vorhandenen Zwei-Meter-Funkgeräte und, notfalls, über den zivilen Mobilfunk laufen, fasste er die verfügbaren Informationswege zusammen.

Eine gemeinsame Aktion mit den Nachbarwehren sei ihm sehr wichtig gewesen, betonte er, da seit der Inbetriebnahme der Integrierten Leitstelle in Schwabach auch bei Einsätzen häufiger als früher gemeindeübergreifend zusammengearbeitet würde. Die Vermisstensuche als Einsatzszenario habe er deshalb gewählt, „weil man das ganz selten übt“, und es für solche Situationen keine Richtlinien gebe, sondern nur Einsatzhinweise. „Da muss man improvisieren“, brachte er die taktischen Anforderungen auf den Punkt.

Dass dies dem Einsatzleitteam gut gelang, zeigte sich daran, dass die angerückten Kameraden rasch eingeteilt und ausgerüstet waren, sodass Martin Enzenhöfer die Suchaufträge bekannt geben konnte: Südwestlich von Offenbau sollen Kinder am Eichelbach gespielt haben und zum Mittagessen nicht nach Hause gekommen sein. Auf den umliegenden Freiflächen mit Weihern und dem südwestlich liegenden Waldgebiet seien also „vermutlich drei Kinder“ zu suchen. Gleichzeitig sei anzunehmen, dass es auf der Autobahn in Fahrtrichtung Nürnberg einen Verkehrsunfall gegeben habe, von dem sich zwei, vermutlich unter Schock stehende Personen in östlicher Richtung entfernt haben.

Angesichts dieser beiden umfangreichen Suchaufträge baute Martin Enzenhöfer auf die Unterstützung der Johanniter Rettungshundestaffel Mittelfranken. Deren Leiter Maximilian Lindner hatte zehn Einsatzkräfte mit neun Flächensuchhunden mobilisiert. Jeder Suchhund habe eine zwei- bis dreijährigen Ausbildung absolviert, in der er in wöchentlichem Training gelernt habe, jegliche menschliche Witterung in einem Suchgebiet anzuzeigen, erklärte Ausbildungsleiterin Regine Hartl. Der Trainingserfolg der rein ehrenamtlichen Suchteams aus Hund und Hundeführer würde danach alle eineinhalb Jahre in einer Prüfung kontrolliert. Zu teils über dreißig Einsätzen werden die zertifizierten Spürnasen dann pro Jahr gerufen – kein Wunder in Anbetracht der Suchleistung, die Maximilian Lindner auf dreißig- bis sechzigtausend Quadratmeter in dreißig Minuten bezifferte. Damit tat Martin Enzenhöfer gut daran zu betonen, dass die Übung „kein Wettstreit mit den vierbeinigen Helfern“ sein solle, denn „da ziehen wir definitiv den Kürzeren“.

Auf einen raschen Sucherfolg durch Mensch oder Tier hofften die in Winterjacke und Skihose warm eingepackten Helfer, die unauffällig am Rande des Geschehens auf ihren Einsatz als Vermisste warteten. Während diese sich in ihre festgelegten Verstecke aufmachten, ordnete Martin Enzenhöfer den Einheiten ihr Suchgebiet zu, gab das vorbereitete Kartenmaterial aus und verteilte „biologisch vollständig abbaubares“ Toilettenpapier für die Orientierung im Wald und die Markierung des bereits abgelaufenen Terrains. Ein kleiner Wermutstropfen blieb ihm ob der Umsetzung dieser Idee: „Ich wollte ja mit Muster“, monierte er mit einem Augenzwinkern, wurde aber in seiner Auswahl durch einen der Einheitsführer bestärkt: „Immerhin ohne Menthol!“

So ausgerüstet waren bald alle Einheiten unterwegs und die Einsatzleitung zog sich in die Kommandozentrale zurück. Im Kommunikationsraum des Einsatzleitwagens gingen an zwei Funkarbeitsplätzen in den folgenden gut eineinhalb Stunden in schneller Folge Standort- und Statusmeldungen ein. Diese wurden in den benachbarten Lageraum übermittelt, wo die weitere Besetzung des Spezialfahrzeugs und die Verantwortlichen von Feuerwehr und Rettungshundestaffel vor Laptops und Karten die aktuelle Situation mitverfolgten und Anweisungen für die Bewegung der Einheiten gaben. Auf einer Projektionsfläche der Zwischenwand war die Übersichtskarte der Übung zu sehen, in der mit farbigen Quadraten bereits abgesuchte Bereiche markiert wurden.

Bis 17.30 Uhr konnte das Koordinationsteam neben den vielen grünen Kästchen fünf schwarze in die Karte setzen: Fund! „Noch eine Person vermisst“, ging die Information an die Kräfte an der Autobahn, die zwischenzeitlich durch Einheiten von der abgeschlossenen zweiten Suche verstärkt worden waren. Neun Minuten später tauchte das sechste schwarze Quadrat in der Karte auf und Martin Enzenhöfer ließ die beiden Funker allen Einheiten das Übungsende durchgeben.

Nachdem sich alle Beteiligten wieder am Sportplatz eingefunden hatten, zog Einsatzleiter Martin Enzenhöfer Bilanz: Die Übung sei „richtig erfolgreich“ verlaufen, die Gesuchten seien gefunden worden und alle Beteiligten wohlauf. Unglücklicherweise habe sich aber ein Hund bei der Suche eine Kralle ausgerissen. Da die Hundeführer auch auf solche Notfälle vorbereitet sind, konnte die Verletzung schnell versorgt werden. Die Kommunikation während der Suche habe sich eingespielt und sei zum Ende hin gut gelaufen und auch der Digitalfunk habe „unter’m Strich“ funktioniert. Die Bedienung sei teilweise noch Übungssache, die Technik habe überzeugt, resümierte er. Besonders imponiert habe ihm die Situation im Einsatzleitwagen: „Die Art, hier zu arbeiten, ist super!“ „Ich habe mich einfach ins Warme gesetzt“, spielte auch Kreisbrandinspektor Werner König auf die angenehmen Arbeitsbedingungen im LKW an und zollte den Kameraden Respekt, die bei der kalten Witterung ihren Samstagnachmittag für die Übung geopfert hatten. Kreisbrandmeister Erwin Schneider schloss die Übung mit einem Lob für die gemeinsame Leistung der Teilnehmer aus den Gemeindegebieten Greding, Hilpoltstein und Thalmässing und freute sich über die Erkenntnisse, die aus dieser sehr gelungenen Übung gewonnen werden konnten.
Hinweis: Der Artikel und die Bilder wurden von der Feuerwehr Offenbau/Thalmässing bzw. von Sandra Lehnert vom Hilpoltsteiner Kurier eingereicht und zur Verfügung gestellt.
Vielen Dank


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Archivbeitrag: 775 - 2013-04-11 21:19:30

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Dietmar Hättig

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